TheaterAG: Die Physiker
Die TheaterAG am OelbergDie Physiker
von Friedrich Dürrenmatt
Am 24.und 25. Juni 2026
Auf der Bühne steht ein kleines Thermometer mitten in der Kulisse neben Weltraum-Grill und Elektronenbeschleuniger, Wellen-Harfe und Strommessgerät. Nach der zweiten Aufführung der „Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt am 25. Juni 2026 sind es 35 Grad zwischen Requisiten und Vorhang. Trotz Hitze - und ohne Klimaanlage - präsentieren die 25 Spielerinnen und Spieler der TheaterAG am Oelberg aus den Jahrgängen 5 bis Q1 und die vier Bühnentechniker:innen zwei wunder- und stimmungsvolle Theaterabende in der Oberpleiser Aula vor tapferem, eifrig fächerndem, leicht bekleidetem und hochkonzentriertem Publikum.
Was bleibt von der Geschichte der drei Wissenschaftler, von denen einer die Weltformel entdeckt hat und der sich aus Furcht, diese Entdeckung könnte die Welt verändern - und dies nicht nur zum Guten -, in ein „Irrenhaus“ („nun ist das Wort doch gefallen“) hat einweisen lassen, vermeintlich dem Wahnsinn durch die Erscheinungen des Propheten Salomo anheim gefallen, vermeintlich verrückt, in Wahrheit jedoch nur auf der Suche nach größtmöglicher Abschottung für seine bahnbrechende Geistesfrucht? Es bleibt die Erkenntnis, dass, ganz im Dürrenmattschen Sinne, eine Geschichte erst zu Ende gedacht ist, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat – so ist Möbius` Entdeckung längst in den Händen der tatsächlich (größen)wahnsinnigen und nach endloser Macht strebenden Sanatoriumsdirektorin Fräulein Dr. Von Zahnd. Diese, so lehrt es nicht zu letzt der Blick in die aktuelle Weltlage, greift aufgrund ihrer materiellen Möglichkeiten nach den Sternen – und lässt die drei Physiker gleichermaßen wie das gesamte Ensemble zurück in Gefangenschaft: „abgeschlossen“, so heißt eine der vielen Gruppenszenen, die alle Spielerinnen und Spieler zu grandioser Musik und in stimmungsvollem Licht vor unsichtbare Wände rennen lässt, ein Entrinnen aus der Verantwortung ist nicht möglich: „Was alle angeht, können nur alle lösen“.
Mit großer Spielfreude und klarer Sprache, mit viel Groteske und Situationskomik, - so reicht Newton Möbius sein Taschentuch zum Schweißabwischen und wringt es danach an der Bühnenrampe aus, das Cordon Bleu und poulet a la broche, eine Art Henkersmahlzeit, wird den drei Wissenschaftlern serviert auf dem Rollwagen aus der Chemie und sie verkosten es aus dem Erlenmeyerkolben und mit Pipette - , mit einem Bühnenbild bestehend aus Geräten aus den Sporthallen und den Naturwissenschaften, dem Globus, mehrfach in der Kulisse als Symbol für die Verantwortung der Menschheit für unsere Erde, und einem „Spiel im Spiel“, dem „Zukunftsfenster“ hinein in unsere Zeit und ihre Technologien (hier ist es die Befürchtung, dass die KI uns einmal „übernehmen“ wird), mit atmosphärisch aufgeladenen Gruppenszenen, untermalt durch die selbstkomponierte und erstmalig aufgeführte Musik des Kollegen Sven Mayer und in Szene gesetzt durch die Inszenierung der Kollegin Birgit Völker, leistet die TheaterAG Großartiges und ist nicht betrübt über sechs anstrengende und gleichermaßen wunderbare Probentage (trotz Kurzstunden und Hitzefrei für den Rest der Schule), die dann in zwei schönen und im Gedächtnis bleibenden Aufführungsabenden münden!

