Berlin-Exkursion der Q1 2026: Politik und Geschichte hautnah erleben

Kurz vor den Sommerferien machte sich ein Teil der Schüler:innen aus den Sozialwissenschafts- und Geschichtskursen der Q1 mit Herrn Dr. Hausmann, Frau Moos-Bzik und Frau Thalau auf den Weg nach Berlin. In den drei Tagen lernten wir viel über die deutsche Geschichte und über politische Institutionen wie den Bundesrat und Bundestag in Berlin.

Nachdem wir am Sonntagnachmittag gegen 14:00 Uhr in Berlin angekommen waren, stand der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einem ehemaligen Gefängnis der Staatssicherheit der DDR, an. Bei der Führung bekamen wir einen Eindruck von den Bedingungen und der Geschichte des Ortes. Die Stimmung im Gefängnis war, z.B. durch enge und karge Kellerräume, die zunächst vom sowjetischen Geheimdienst und ab 1951 von der Stasi als Gefängnis benutzt wurden, sehr bedrückend und beängstigend. Hier wurden Demütigung, Entmenschlichung und psychische Gewalt an politisch Andersdenkenden ausgeübt. Durch die realitätsnahe Vermittlung persönlicher Schicksale wurden uns die damalige Angst und Hilflosigkeit besonders deutlich.

Am Montagmorgen bekamen wir die Chance, ein Gespräch mit Herrn Dr. Norbert Röttgen (CDU) zu führen, der seit 1994 für unseren Wahlkreis „Rhein-Sieg Kreis II“ im Bundestag sitzt. Hier konnten wir Fragen zur aktuellen Politik, besonders zur Außenpolitik, stellen, denn Dr. Röttgen ist nicht nur Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, sondern auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und beschäftigt sich v.a. mit Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Europapolitik und Menschenrechten. Dabei standen z.B. der Israel-Palästina-Konflikt, die Migrationspolitik Deutschlands und der EU, der Umgang mit rechtspopulistischen bzw. -extremen Kräften und zuletzt Sozialausgaben und Sozialpolitik im Vordergrund. Herr Röttgen wurde auch auf seine Ablehnung des Gesetzes zur Einführung von gleichgeschlechtlichen Ehen im Jahr 2017, welche von uns kritisch hinterfragt wurde, angesprochen, hier blieben seine Antworten jedoch ein wenig ausweichend.

Anschließend besuchten wir die Kuppel des Reichstagsgebäudes und bekamen so einen tollen Ausblick über Berlin. Nach einer kurzen Mittagspause fand ein Planspiel beim Bundesrat statt, in welchem wir ein Gesetzgebungsverfahren in den Rollen der Bundesländer nachstellen konnten. Hierbei wurde die Frage nach einer erneuten Führerscheinprüfung im höheren Alter zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit diskutiert. Das Planspiel hat unser Verständnis für Gesetzgebung erweitert und uns wurde deutlich, dass verschiedene Bundesländer ihre Entscheidung u.a. aufgrund von länderspezifischen politischen und wirtschaftlichen Interessen, Demografie oder auch Fragen der Infrastruktur treffen.

Nachmittags hatten wir Zeit, die Stadt individuell zu entdecken. Wir erkundeten beispielsweise den Alexanderplatz, die Museumsmeile an der Spree und während Regenschauern einige Geschäfte in Berlin Mitte.

Am letzten Tag besuchten wir die Mauergedenkstätte „Bernauer Straße“. An diesem Kristallisationspunkt der deutschen Teilung wurde uns zunächst die Bandbreite der Folgen des Mauerbaus durch eine Führung aufgezeigt. Danach durften wir an den Geschichten und den Schicksalen zweier Zeitzeugen aus der DDR im Gruppengespräch teilhaben. Unsere Gruppe sprach z.B. mit Jürgen Gutjahr, genannt Chaos, der in der DDR aufwuchs und im Sommer 1981 die erste Leipziger Punkband „Wutanfall“ gründete. Diese sprach gegen die Werte und die Ideologie der Stasi, sodass er jahrelang überwacht, verfolgt und sowohl physisch als auch psychisch misshandelt wurde. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang ihm im Mai 1989 die Ausreise in die BRD. Noch heute hat er mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, macht aber weiter aktiv Musik in der Richtung „Industrial Noise“. Seine Geschichte hat uns alle sehr bewegt und die Brutalität der Stasi sowie die von ihr angewendete Gewalt haben uns äußerst schockiert. Wir sind dankbar, dass er seine Erlebnisse so offen mit uns geteilt hat.

Nachmittags ging es mit dem Bus wieder zurück Richtung Oberpleis, nach tollen und interessanten Tagen in Berlin!

Der Bericht wurde von Marike Lorenz und Constanze Mehren (Q1) verfasst.