Theaterstück „Scherben" – dem Holocaust zum Gedenken

Am 10. März dieses Jahres wurde zum zweiten Mal ein Theaterstück des Kölner Ensembles „rimon productions" am Gymnasium am Oelberg gezeigt. Wie im Vorjahr sollte mit dem Stück auch in diesem Jahr an den Holocaust gedacht werden. Die Theatergruppe wurde von Frau Doktor Kollbach eingeladen und es nahmen insgesamt rund 200 Schüler*innen aus den Jahrgangsstufen Q2, Q1 und EF als Zuschauer an dieser Veranstaltung teil. In diesem Jahr spielte das Ensemble das Stück „Scherben“ („broken glass“) von Arthur Miller (1994). Dank der Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland und des Fördervereins des Gymnasiums am Oelberg konnte die Aufführung stattfinden.

In dem Stück geht es um die Auswirkungen der Judenverfolgung in Deutschland auf die Menschen innerhalb und außerhalb von Europa
Außerdem wird die Verdrängung und die Suche nach der eigenen Identität thematisiert.

Es geht um die unerklärbare Lähmung von Sylvia Gellburg (gespielt von Britta Shulamit Jakobi). Der Arzt Harry Hyman (gespielt von Hanno Dinger) vermutet zunächst, dass ihre unglückliche und eintönige Ehe mit ihrem Gatten Philipp (gespielt von Thomas Krutmann) der Grund für die Lähmung sei. Später stellt sich allerdings heraus, dass der wahre Grund die Konfrontation mit der Judenverfolgung in Deutschland ist, die Sylvia sehr beschäftigt.

Für uns war das Stück zum einen sehr informativ, da die Situation im Jahre 1938 aufgegriffen wurde. Zum anderen fanden wir es besonders interessant, dass die Darstellung so realistisch und zuschauernah war. Das dargestellte Stück hat uns einen ganz anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse während des Holocausts ermöglicht, da uns vorher gar nicht bewusst war, welche Auswirkungen dieser auch auf Menschen außerhalb Deutschlands hatte. Durch das Stück wurden die Traumata von einzelnen Personen (besonders deutlich war dies bei Sylvia) gezeigt. Darüber, dass die Judenverfolgung so starke Auswirkungen auf die Menschen auch weit weg von Deutschland hatte, haben wir vorher gar nicht nachgedacht.

Außerdem wurde besonders durch die Rolle von Philipp offenbar, dass es auch Antisemitismus unter Juden gibt. Denn während des Stückes hat Philipp nicht nur selbst an seinem Judensein gezweifelt, sondern auch diskriminierend Dinge über Juden geäußert.

Am Ende des Stückes wurde für uns zudem deutlich, dass die Lähmung von Sylvia nur im übertragenden Sinne zu deuten ist. Denn als Philipp am Ende sein Judensein akzeptiert, ist es Sylvia wieder möglich aufzustehen. Dass Philipp sich nun also gegen die Diskriminierung von Juden stellt, zeigt den notwendigen Aufstand des Einzelnen, worauf das Stück anspielt.

Nach dem ca. 75 minütigen Stück folgte dann ein halbstündiges Publikumsgespräch. Da während des Stückes einige Dinge offen gelassen wurden (beispielsweise, ob Philipp am Ende stirbt ), war es für uns gut, nochmal mit den Schauspieler*innen in den Austausch zu treten. Dabei wurde uns vor Augen geführt, dass Antisemitismus auch heute noch sehr präsent ist. Es war interessant, dass sich das Stück so gut auf heutige Geschehnisse übertragen lässt. Bereits durch das ausgedachte Szenario zu Beginn des Stückes wurde dies deutlich.

Besonders eindrücklich für uns war, dass die Schauspielerin Sophie Brüss sagte, dass das Problem der heutigen Gesellschaft nicht die 15 Prozent radikalen Menschen seien, die es immer geben werde, sondern die 85 Prozent, die nichts dagegen täten. Das wurde auch während des Stückes deutlich, da Sylvia offenbar die Einzige in ihrem direkten Umfeld war, die den Ernst der Situation in Deutschland verstanden hat und deshalb nicht begreifen konnte, warum niemand etwas dagegen getan hat.

Insgesamt können wir sagen, dass uns das Stück darauf aufmerksam gemacht hat, dass man sich auch heute als Einzelner, aber auch als Gesellschaft gegen Antisemitismus wehren muss.

Lena Junen und Renée Klaukien, Jahrgangsstufe EF